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10 von 10 – ein Warnsignal rettet zwei Leben 

Plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen – sogenannte Vernichtungskopfschmerzen oder Donnerschlagkopfschmerzen – sind immer ein medizinischer Notfall und müssen sofort ärztlich abgeklärt werden. Dies gilt ganz besonders in der Schwangerschaft. Ein Fallbeispiel.

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Eine 32-jährige Erstgebärende erlebte in der 37. Schwangerschaftswoche die schlimmsten Kopfschmerzen ihres Lebens. Als sie zwei Tage später in die Notaufnahme kam, beschrieb sie die Schmerzen mit der maximalen Intensität: 10 von 10 Punkten auf der Schmerzskala.

Die Symptome
Die Frau berichtete von:

• Plötzlich auftretenden, extrem starken Kopfschmerzen beim Aufwachen
• Licht- und Lärmempfindlichkeit (Photo- und Phonophobie)
• Verschlimmerung der Schmerzen durch Husten und körperliche Anstrengung (ca. 20 Minuten anhaltend)
• Nur minimaler Linderung durch Paracetamol

Was ist ein Donnerschlagkopfschmerz?

Ein Donnerschlagkopfschmerz (auch Vernichtungskopfschmerz genannt) ist durch einen plötzlichen Beginn gekennzeichnet, der sein Schmerzmaximum innerhalb einer Minute erreicht. Er ist sowohl bei Schwangeren als auch bei Nichtschwangeren immer ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Abklärung erfordert.

Besonders besorgniserregende Zeichen

Im beschriebenen Fall machte den Ärzten besonders die Verschlimmerung der Kopfschmerzen durch Husten und Anstrengung Sorgen. Diese sogenannten Valsalva-Manöver – das sind Aktivitäten, bei denen man die Luft anhält und presst (wie beim Husten, Niesen oder beim Toilettengang) – erhöhen den Druck im Kopf. Wenn sich dadurch die Kopfschmerzen verstärken, kann dies auf eine ernsthafte Ursache wie eine Raumforderung im Gehirn hinweisen.

Mögliche Ursachen in der Schwangerschaft

Bei schwangeren Frauen mit Donnerschlagkopfschmerz müssen verschiedene ernsthafte Ursachen ausgeschlossen werden:

• Schlaganfall
• Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen den Hirnhäuten)
• Arteriendissektion (Einriss in einer Arterienwand)
• Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel in den Hirnvenen)
• Reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (vorübergehende Verengung der Gehirngefässe)
• Idiopathische intrakranielle Hypertonie (erhöhter Hirndruck ohne erkennbare Ursache)

Die diagnostische Abklärung

Um die Ursache der Beschwerden zu finden, führte das Ärzteteam umfangreiche Untersuchungen durch:

• MRT (Magnetresonanztomographie) und Gefässdarstellung ohne Kontrastmittel: keine Auffälligkeiten
• Augenspiegelung: keine Stauungspapille (kein Hinweis auf erhöhten Hirndruck)
• Liquoruntersuchung (Untersuchung des Nervenwassers): normal
• Laborwerte: zunächst alle unauffällig

Verschiedene Schmerzmedikamente (Metoclopramid, Ondansetron, Flüssigkeitszufuhr und ein Lidocainblock) brachten nur vorübergehende oder minimale Linderung.

Die entscheidende Wendung

Am dritten Tag im Krankenhaus zeigten die Laborwerte plötzlich besorgniserregende Veränderungen: Die Leberwerte stiegen an, die Blutplättchen nahmen ab und der Hämoglobinwert (roter Blutfarbstoff) ging zurück. Diese Kombination aus erhöhten Leberwerten und niedrigen Blutplättchenzahlen weckte den Verdacht auf ein HELLP-Syndrom.

Was ist das HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Syndrom ist eine ernste und potenziell lebensbedrohliche Komplikation, die mit Präeklampsie (früher „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt) oder Eklampsie zusammenhängt. Der Name HELLP ist eine Abkürzung der englischen Begriffe für die Hauptmerkmale:

• H = Hemolysis (Hämolyse, Zerfall roter Blutkörperchen)
• EL = Elevated Liver enzymes (erhöhte Leberwerte)
• LP = Low Platelets (niedrige Blutplättchenzahl)

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet für ein HELLP-Syndrom sind:
• Erstgebärende (wie im beschriebenen Fall)
• Schwangere über 35 Jahre
• Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften

Mögliche Komplikationen

Das HELLP-Syndrom kann sowohl für die Mutter als auch für das Kind gefährlich werden:

Risiken für die Mutter:

• Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge)
• Akutes Nierenversagen
• Sepsis (Blutvergiftung)
• Leberversagen

Risiken für das Kind:

• Gefährdung durch eine eingeschränkte Funktion der Plazenta (Mutterkuchen)

Die Behandlung

Die Ursache des HELLP-Syndroms ist nicht vollständig geklärt, und es gibt keine spezifische Behandlung. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und der Schwangerschaftswoche:
• Bei leichten Fällen vor der 34. Schwangerschaftswoche können Kortikosteroide gegeben werden
• In schweren Fällen ist eine rasche Entbindung erforderlich – oft die einzige lebensrettende Massnahme

Im beschriebenen Fall wollten die Gynäkologen nicht länger warten und entschieden sich für einen Kaiserschnitt. Diese Entscheidung erwies sich als richtig: Nach der Entbindung verschwanden die Kopfschmerzen der Frau vollständig und traten auch in den folgenden Monaten nicht wieder auf.

Die wichtigste Botschaft

Kopfschmerzen sind das häufigste und aussagekräftigste Symptom eines HELLP-Syndroms. Forschungsergebnisse zeigen, dass Kopfschmerzen bei dieser Erkrankung sowohl die höchste Sensitivität (sie treten häufig auf) als auch die höchste Spezifität (sie weisen zuverlässig auf die Erkrankung hin) haben.

Das HELLP-Syndrom kann sich durch verschiedene unspezifische Symptome äussern, doch die Kopfschmerzen stehen oft im Vordergrund. Deshalb ist es so wichtig, plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen – sogenannte Donnerschlagkopfschmerzen – besonders in der Schwangerschaft immer ernst zu nehmen und sofort ärztlich abklären zu lassen.


💡 WAS SIE TUN SOLLTEN

Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, wenn Sie:

• Plötzlich die schlimmsten Kopfschmerzen Ihres Lebens bekommen
• Kopfschmerzen haben, die sich durch Husten, Niesen oder Anstrengung verschlimmern
• In der Schwangerschaft neuartige, sehr starke Kopfschmerzen erleben
• Kopfschmerzen haben, die sich von Ihren üblichen Kopfschmerzen unterscheiden

Warten Sie nicht ab – bei Donnerschlagkopfschmerzen zählt jede Minute!



Dieser Newsletter dient ausschliesslich der Information und ersetzt nicht die persönliche ärztliche Beratung,


Bild: leszekglasner/Adobe Stock

 

 

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