Hormonelle Migräne: Neue europäische Umfrage zeigt grossen Handlungsbedarf
Zum Internationalen Frauentag am 8. März rückt ein Thema in den Fokus, das Millionen Frauen betrifft. Die bislang umfangreichste Patientenbefragung zu Migräne bei Frauen macht sichtbar, was viele Betroffene erleben: Zyklusbedingte Attacken sind häufig – doch Diagnose, Beratung und individualisierte Therapien fehlen oft.

Zwei von drei Migränebetroffenen berichten, dass ihre Attacken mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen. Die EMHA «Migraine in Women Survey» 2025, die bislang umfangreichste europäische Patientenbefragung zu diesem Thema, macht das Ausmass der Versorgungslücke nun erstmals in Zahlen sichtbar. 5'410 screen-positive Teilnehmende aus mehreren europäischen Ländern – darunter die Schweiz – lieferten Daten, die ein klares Bild zeichnen: Migräne ist häufig, wird aber bei vielen Betroffenen nicht diagnostiziert und unzureichend behandelt.
Fast die Hälfte ohne formale Diagnose
42 Prozent der screen-positiven Befragten haben nie eine formale Migränediagnose erhalten – wobei der Anteil je nach Land zwischen 31 und 55 Prozent variiert. Ohne Diagnose fehlt häufig der Zugang zu strukturierter Betreuung, gezielter Therapie und Präventionsstrategien. Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung des Arztkontakts: Wer medizinische Hilfe gesucht hatte, erhielt in 75 Prozent der Fälle eine Diagnose – gegenüber lediglich 17 Prozent bei Personen ohne Arztkontakt.
Hormoneller Zusammenhang bleibt unbesprochen
Rund zwei von drei Betroffenen berichten, dass ihre Attacken mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, viele davon in den Tagen unmittelbar vor Beginn der Blutung. Dennoch hat nur knapp mehr als die Hälfte dieser Frauen – 59 Prozent – je mit einem Arzt über hormonelle Auslöser gesprochen. Das bedeutet umgekehrt: Bei fast jeder zweiten Betroffenen wurde das Thema noch nie aktiv angesprochen, obwohl sie selbst einen klaren Zusammenhang wahrnimmt.
Menstruationsnahe Attacken werden im Vergleich zu anderen Migränen oft als deutlich belastender beschrieben:
• schmerzhafter und länger anhaltend
• stärker von Übelkeit und gastrointestinalen Symptomen begleitet
• schwerer behandelbar
Diese Unterschiede sind therapeutisch relevant – insbesondere für individualisierte Akut- und Prophylaxestrategien.
Selbstbehandlung statt Therapie
35 Prozent der Befragten suchten keine ärztliche Hilfe. Von diesen behandelten sich 85 Prozent selbst, meist mit frei verfügbaren Schmerzmitteln. Nur 16 Prozent aller Befragten bewerteten ihre aktuelle Behandlung als «sehr wirksam». Besonders aufschlussreich: 68 Prozent der Frauen wurden nie eine massgeschneiderte Behandlung für menstruations- oder menopausebedingte Beschwerden angeboten. Wenn dies doch geschah, verdoppelten sich die Bewertungen der Behandlungseffektivität – ein starkes Argument für individualisierte Therapieansätze.
Auch die Menopause löst das Problem nicht
Ein verbreiteter Irrglaube: Die Menopause bringe automatisch Erleichterung. Die Daten widersprechen dem. Nur ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren berichtete von selteneren Attacken – und lediglich 1 Prozent gab an, dass die Migräne nach dem Ausbleiben der Periode ganz verschwunden sei. Auch in dieser Lebensphase bleibt eine angepasste, individuelle Betreuung entscheidend.
Ein Schritt zu besserer Versorgung
Die Daten zeigen: Hormonelle Migräne ist häufig, aber weiterhin unterdiagnostiziert, unterbesprochen und oft unzureichend behandelt. Durch die Zusammenarbeit der Patientenorganisationen innerhalb der EMHA wird ein wichtiger Schritt gesetzt, um den hormonellen Zusammenhang sichtbar zu machen und die Versorgung von Betroffenen europaweit zu verbessern. Migraine Action Schweiz ist aktives Mitglied der EMHA und engagiert sich für mehr Aufklärung, bessere Versorgung und politische Sichtbarkeit der Migräne.
Hier finden Sie eine visuelle Übersicht über die wichtigsten Studienergebnisse.
Quelle:
EMHA Migraine in Women Survey – Final Analysis 2025. Stichprobe: 5'410 screen-positive Migränebetroffene aus Europa (inkl. Schweiz).
Bild: dragonstock/Adobe Stock
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